Zumindest ein Anfang

Mitten in die Ski-WM platzte die Auftaktrunde der Frühjahrssaison und das gleich mit dem ewig jungen Wiener Derby. Die Hütteldorfer trafen im Happel-Stadion auf den Stadtrivalen, der bekanntlich zehn Punkte voran lag und bei einem „Heim“-Sieg (die Anführungszeichen zu erklären ist reine Fleißaufgabe; natürlich waren im Prater wieder weit mehr Grün-Weiße als Veilchen zugegen) den Anschluss an die Spitze gewahrt hätte. Rapid aber wäre bei einer Niederlage endgültig weg vom Schuss gewesen, was angesichts der verkorksten Herbstsaison durchaus im Bereich des Möglichen gelegen wäre.

Was wir gesehen haben, war ein über weite Strecken durchschnittliches Derby mit einer Rapid, die über längere Zeit mit 1:0 in Führung lag. Und einen last-minute-Ausgleich der Austria, der dafür sorgt, dass zwischen den Wiener Klubs alles beim Alten bleibt. Platz 4 und 5 in der Tabelle, durch zehn Punkte getrennt. Auf Leader Salzburg fehlen den Violetten jetzt fünf Punkte, Rapid 15. Und zum Tabellenschluss: Rapid liegt elf Punkte vor Schlusslicht Mattersburg, die Austria 21.

Man kann unzufrieden sein, man kann verzweifeln, man kann die 95. Minute verfluchen. Oder man sieht das Ganze nüchtern. Rapid muss froh sein, diese Saison noch irgendwie dabei zu bleiben, weil – siehe oben – aufgrund der verkorksten Herbstsaison mit Glück und Fleiß lediglich noch ein internationaler Startplatz drin ist. So gesehen war dieser Fast-Derby-Sieg ein in der aktuellen Situation nicht zu erwartender Erfolg. Und vielleicht zumindest ein Anfang.

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Und jetzt?

Jetzt hat Rapid also auch gegen den WAC verloren. Der Titel 2017 dürfte perdu sein, wenn wir nicht wider Erwarten noch den Cup-Sieg holen. Denn auch wenn die anderen Mitbewerber – bis auf Altach- Punkte liegen gelassen haben: Rapid liegt 9 Punkte hinter der Spitze und 5 hinter der Austria auf Platz 5 (und ganze 11 Punkte vor dem Schlusslicht). Man kann es drehen und wenden wie man will, aber die Euphorie des Saisonstarts, inklusive Hype um das neue Stadion ist dahin.

Auch wenn die Vereinsführung offensichtlich vieles richtig gemacht hat, eben vom Stadionneubau bis hin zur wirtschaftlichen Situation: Jetzt müssen Antworten und Konsequenzen her. Wer den Anspruch erhebt, Rapid in den nächsten Jahren unter die Top 50 Europas zu führen, der kann nicht zuschauen, wenn die Mannschaft im österreichischen Mittelmaß versinkt. Es sei denn, dieser Anspruch war von Beginn an nur ein Marketing-Gag…..

Natürlich ist es immer einfach, den Trainer als Sündenbock zu nehmen. Fakt ist aber, dass dem Vorgänger des jetzigen Trainers vorgeworfen wurde, gegen „die Kleinen“ Punkte liegen zu lassen. Der aktuelle Coach lässt diese aber genauso liegen. Sogar noch in größerem Ausmaß. Also wird man über das Betreuerteam nachdenken müssen. Zumindest.

Denn wie heißt es so schön: Ein schönes neues Stadion allein schießt noch keine Tore.

Ich bin müde

Seit ich denken kann, bin ich Rapid-Anhänger. Da ich ein Kind der 70er bin, kann man sich leicht ausrechnen, was das damals zu bedeuten hatte. Wir waren in meiner Kindheit immer die Zweiten. Hinter dem Dauermeister austria. Den ersten Meistertitel nach 14 Jahren – fixiert in einem 5:0 gegen Wacker Innsbruck im Jahre 1982 -habe ich nur im Fernsehen erlebt. Ich war zu jung, um live dabei zu sein.

Es folgte die große Zeit der 1980er, wo wir immerhin weitere drei Meistertitel gewinnen konnten (1983, 1987, 1988) und in den Jahren 1983, 1984, 1985, 1987 auch Cupsieger waren. Diese Erfolge nahm ich zum Anlass, meine verwirrten violetten Freunde darauf hinzuweisen, dass wir eben nicht „nur“ Rekordmeister sind.

Es folgten die 1990er: 1995 wurden wir Cupsieger und zogen sogar erstmals in das Europacupfinale des Cups der Cupsieger ein. Meister wurden wir auch, nämlich 1996.   1992 war ein gewisser Andy Marek Stadionsprecher geworden und die Vereinsverantwortlichen gingen daran, das große Jubiläum „100 Jahre Rapid“ im Jahr 1999 vorzubereiten. Es gab Abo-Dumpingpreise und erstmals so etwas wie echtes Marketing.

Der nächste Titel ließ aber auf sich warten: 2005 war es wieder so weit. Wir wurden Meister. Ein Cupsieg ward seit 1995 nicht mehr verbucht, aber immerhin konnten wir 2008 die von Fans und Verein inszenierte „Mission 32“ erfüllen.

2014 wurde „St. Hanappi“ abgerissen und die Inszenierung desselben nebst Bau des neuen West (oder auch Allianz-)Stadions sucht ihresgleichen. Wie auch die Inszenierung als Traditionsklub mit den mit Abstand meisten Fans. Die alte RAPID-Hymne wurde ausgegraben und Fredi Körner singt als Alt-Internationaler (super inszeniert!) bei jeder Gelegenheit publikumswirksam das Lied vom grün und weißem Band….

Ja, ich bin stolz, Rapidler zu sein.

Nur. Wir warten seit acht Jahren auf einen Meistertitel und seit 21 auf einen Cuperfolg. Wir werden auch weiterhin ein großer Traditionsverein bleiben. Wenn die Erfolge weiter ausbleiben, stellt sich freilich die Frage: Traditionsverein allein oder doch auch Meisteranwärter?

Man kann sich schließlich auch die 60er in München oder St. Pauli anschauen. Oder zum Wiener Sportklub und zur Vienna gehen….

 

In Sachen Max E.

Rapid ist fabulös in die Meisterschaft gestartet, Rapid hat eine 1a-Bilanz der neuen Heimstätte am alten Ort vorzuweisen, Rapid könnte diese Saison tatsächlich wieder einen Titel holen. Selbst der Kapitän SHFG sagt in einem Interview, dass dies der stärkste Kader ist, seit er in Hütteldorf ist. Und das sind doch schon ein paar Jahre.

Aber

Aber das alles wird medial und in den Fanforen von einem Thema überschattet. Maximilian Entrup, Mitglied des Kaders und Neo-Rapid(spie)ler soll in jungen Jahren (wobei in jungen Jahren weit hergeholt ist, den jung ist der Bursche ja jetzt noch) bei einem fak-Fanklub gewesen sein. Auch“soll gewesen sein“ ist falsch formuliert. Ja, er war zumindest eine Zeit lang dabei. Wie lang genau, wie aktiv genau, das weiß keiner. Aber es ist kein sehr sympathischer Fanklub, es ist keine harmlose Partie, wo der junge Entrup damals (zumindest) angestreift ist. Das steht fest.

Und

Und natürlich ist dieses Faktum den Ultras und anderen Vertretern der s.g. „aktiven Fanszene“ ein Dorn im Auge. Einer der von „grünen Parasiten“ gesungen haben soll; einer, der alle Mütter der Grünen im horizontalen Gewerbe angesiedelt haben soll. So einer kann doch nicht das geheiligte Dress überziehen.

Ja

Ja, mag sein, dass man sich damit schwer tut.  Aber wer weiß es so genau? Hat er das getan, also von Parasiten und horizontal erwerbstätigen Müttern gesungen? Und wer hat als junger Mann (es geht um’s Alter 14-17!!) keinen Blödsinn getan?

Nein

Nein, es gibt keine Entschuldigung, wenn, wie vor kurzem passiert, Böller Richtung Spieler fliegen. Und nein, es ist nicht so, dass die aktive Fanszene den Kader bestimmt. Denn bei aller Wertschätzung; Rapid gehört nicht den Aktiven im Block West (und der Block West nicht jenen, die noch in die Windeln gemacht haben, als ich dort erstmals zugegen war! ;-))

Und

Und darum geht es in der leidigen Sache. Ein Spieler des Kaders war in seiner frühen Jugend bei einem fanatischen fak-Fanklub, spielt jetzt aber bei Rapid. Manche zweifeln, dass er dort hingehört. Der Verein laviert sich durch und trifft kein eindeutiges Statement. Transparente gegen Entrup werden augenzwinkernd hingenommen, den Böller verurteilt man aber (GsD) scharf. Die Wahrheit ist: Max Entrup sollte ein eindeutiges Statement abgeben. Die Wahrheit ist zudem: Der Verein soll und muss klar stellen, ob er von Entrups Vergangenheit gewusst hat.

Die Wahrheit ist aber auch und vor allem: a) Fußballspieler sein ist ein Job – man verdient damit im Profibereich Geld und muss (so böse das für mich und andere klingt) nicht immer schon im Herzen beim jeweiligen Verein alias Brötchengeber (gewesen) sein. Und b) Niemand hat das Recht, darüber Gericht zu halten, wer Rapidler sein darf und wer nicht. Max Entrup ist jetzt da. Und wenn er viele Tore gegen die Violetten schießt, soll es mir Recht sein.

318. Wiener Derby

Wieder einmal konnte Rapid das Derby gegen die Wiener Austria gewinnen, und das mit einem Endstand von 1:4. Ähnlich wie letztes Jahr am 12.08.2015 als Rapid in der Generali-Arena die Austria mit 2:5 deklassierte. Genau wie letztes Jahr dominierte Rapid das Spiel. Aber nicht nur am Platz,  auch auf den Tribünen ging ordentlich die Post ab. Auch wenn es für Rapid offiziell ein Auswärtsderby war, fühlte es sich an wie ein Heimderby in Hütteldorf. Als die Fankurve von Rapid ca. zehn Minuten vor Spielbeginn „steht auf wenn ihr Grüne seid“ anstimmte, wurde klar, wer in der Überzahl ist. Überall erhoben sich Rapidler und ließen die Austria traurig aussehen. Bei 15.200 Besuchern traue ich mich zu wetten, dass mindestens 10.000 Anhänger aus Hütteldorf dabei waren. Während des Spiels waren die Veilchen kaum zu hören und der Block West, der im Sektor F im dritten Rang untergebracht war, machte einzigartige Stimmung. Diese steigerte sich während des Spiels sogar noch, als in der 33. Minute Neuzugang Trautason sein erstes Tor für Rapid schoss. Es wurde immer lauterund es schien, als hätte die Austria-Fankurve aufgegeben. Mit dem Stand von 0:1 ging es dann auch in die Pause. In der zweiten Hälfte machte der grün-weiße Anhang atemberaubende Stimmung. Nicht einmal der Ausgleichstreffer durch Larry Kayode (63.) änderte etwas, Denn schon in Minute 65 brachte Louis Schaub die Hütteldorfer wieder in Führung, nachdem er auch schon am Donnerstag im Europacup getroffen hatte. Als die Rapid-Viertelstunde startete, war die Stimmung im Happel-Oval besser denn je, mit rythmischen Einklatschen und „Hopp auf Hütteldorf“ wurde noch einmal unterstrichen, wer die Nummer 1 in Wien ist. Als später noch die Tore von Grahovac (87.) und Joelinton (93.) fielen, war auch der Derbysieg endgültig fixiert.

Nachdem die Mannschaft mit den Fans gefeiert hatte gab es zu meinen Bedauern noch ein paar unschöne Szenen: Frustrierte Austria-Fans machten sich aus der Kurve C/D auf den Weg zum Sektor F, um an den Rapid-Fans ihren Frust abzulassen, Rapid-Fans rannten ihnen entgegen. Schlimmmeres konnte die Polizei noch rechtzeitig verhindern.

Ein weiterer unschöner Teil des Spiels war, als Trainer Büskens in der 94. Minute Maximilian Entrup einwechselte und dieser von Teilen der Fankurve lautstark ausgepfiffen wurde. Ich persönlich finde, man sollte das Vergangene hinter sich lassen und in die Zukunft blicken. Wichtig ist, dass Entrup in jedem Spiel alles gibt.

Die Nummer 1 in Wien sind wir!!!!!!!!!!!

Ein Sieg. Ja, ok.

Heute Derby-Time. Rapid hat drei Punkte eingefahren, Fan-Support ok. Stimmung so weit ok.

Euphorie? Fehlt. Ja, wir haben einen Sieg eingefahren und speziell der Block West war mehr als bemüht, diesen auch gebührend zu inszenieren. Aber es war keine Sternstunde und das Match wird auch nicht in die Annalen der persönlichen Erinnerungen bzw. gar der Vereinsgeschichte eingehen. Rapid war schlicht die bessere von zwei nicht übetrieben guten Mannschaften. That’s it, Und das ist irgendwie sprichwörtlich für diese Saison.

Die Höhepunkte fanden anderswo statt, etwa in der Gruppenphase der Europa League.

Versöhnlicher Nachsatz: SHFG wurde für sein 500.  Bundesligaspiel geehrt. So einen hatten die Veilchen noch nie. Werden sie auch nie haben. Und die drei Punkte heute auch nicht.IMAG0022

Gedanken zum runden Leder, zumeist grün-weiß gefärbt